Museen im Internet


Beobachtungen zur Präsentation archäologischer Themen
und Sammlungen in den Onlinemedien*

Traditionsbewußte Einrichtungen wie Museen und geisteswissenschaftliche Fakultäten präsentieren sich zunehmend im Internet. Dadurch bringen sie ihre Ideen, Projekte und Objekte (Architektur und Exponate) einem Publikum nahe, das möglicherweise Tausende von Kilometern entfernt ist. Ausstellungen und andere Sehenswürdigkeiten können "virtuell" besucht werden. In vielen Fällen wird zu einer Kontaktaufnahme (per E-Mail oder Newsletter) mit den Verantwortlichen aufgefordert. Ein direkter Austausch von Gedanken und Meinungen wird somit ermöglicht. Dies kann und soll natürlich das sinnliche Erlebnis nicht ersetzen, doch weckt es die Neugier und steigert die Lust auf einen tatsächlichen Besuch.

Die Universitäten Berlin, Erlangen und Freiburg bieten archäologisch interessierten Surfern einen besonderen Service an. Sie haben im Netz zahlreiche Informationen zu archäologischen Museen und Sammlungen sowie zu Ausgrabungsprojekten zusammengestellt. Auf der Homepage des Instituts für Klassische Philologie der Universität Berlin finden sich u.a. Angaben zu archäologischen Museen in Deutschland, Italien und den USA.
Interessantes rund um die Archäologie findet sich auf der Web-Site www.archaeologie-online.de. Technisch auf dem neusten Stand, verfügt sie über eine sehr gute Suchmaschine, Gästebuch, Diskussionsforen, Newsletter und vieles mehr. Der Link Magazin: Veranstaltungskalender auf der Startseite führt zu aktuellen Archäologieausstellungen im deutschen Raum.
Informationen zu Museen und archäologischen Projekten finden sich auch auf den Seiten der WebMuseen und in der Datenbank Perseus der Harvard Universität. Linksammlungen bieten weiterhin die Organisation ICOM (International Council of Museums) und die Virtual Library der Museen in Deutschland.

Das Beazley Archive in Oxford gibt einen guten Einblick in die praktische Museumsarbeit. Fotos, Zeichnungen und erläuternde Texte lassen den Besucher der WebSite an den Aktivitäten und Projekten (Pottery Database, Cast Collection Programs, Beazley Drawings, Classical Gem and Fingerring Impressions) des Archivs teilhaben. Es ist zu hoffen, daß bald mehr Archäologen auf ähnliche Weise ihre Tätigkeiten im Internet vorstellen werden.

Museum Erlangen

Eine der besten Online-Präsentationen in Deutschland bietet die Antikensammlung des Instituts für Klassische Archäologie in Erlangen. Mit großer Professionalität wurde ein witziges, online-gerechtes Design mit kurzen, eingängigen Texten erstellt. Die Web-Seiten werden schnell geladen. Über die Homepage (Eingangsseite) gelangt der User in ein Inhaltsverzeichnis mit sieben Links. Durch das Anklicken von kleinen Grafiken oder Überschriften entscheidet er sich entweder zu einem Besuch des virtuellen Museums, zu einer Besichtigung der Sonder-Ausstellungen bzw. der Photosammlung oder zu einem längeren Exkurs über Historisches und Aktuelles. Den Gang durch das virtuelle Museum erleichtert ein dreidimensionaler Plan mit eingezeichneten Vitrinen. Diese können durch Anklicken auf dem Plan oder in einer sich anschließenden Liste aufgerufen werden. Je nach Neigung, kann der Besucher thematisch (Sport, Frauenbilder, Odysseus und Kirke) oder chronologisch (Die Zeit Homers bis Hellenismus) vorgehen. Die Exponate lassen sich vergrößern. Dabei wird ausführlicher auf spezielle Fragen eingegangen. Auf spielerische Weise wird der Besucher mit den wichtigsten Objekten des Museums und mit grundlegenden Fragen der Klassischen Archäologie vertraut gemacht.

Museum Erlangen

Eine strenge und klare Formensprache weisen hingegen die Seiten der Dauerausstellung (Permanent Collections) des John Paul Getty Museums in Malibu auf. Sie wirken gediegen und erinnern in ihrer Gestaltung an exklusive Kunstzeitschriften. Das dezente Design unterstreicht, daß im Getty Museum besonders kostbare und seltene Objekte verwahrt werden. Sieben Links führen zu den Abteilungen Antiquities, Decorative Arts, Drawings, Manuscripts, Paintings, Photographs, Sculpture and Works of Art. Die griechisch-römische Sammlung (Antiquities) wird repräsentiert durch 15 Exponate unterschiedlicher Epochen (Kykladenidol bis Fayum-Portrait) und Kunstgattungen (Skulptur, Keramik, Schmuck und Malerei). Jedes Objekt ist abgebildet und mit einem kurzen Text (Benennung, Herkunft, Datierung) versehen. Die Grafiken können vergrößert und in sehr guter Qualität ausgedruckt werden.

Getty Museum

Eine ästhetisch ansprechende und übersichtliche Struktur weisen die Web-Seiten des Archäologischen Nationalmuseums in Athen auf. Die Homepage gibt eine Außen- und Innenansicht des klassizistischen Gebäudes wieder. Ein kurzer Text liefert die wichtigsten Informationen zur Geschichte und Bedeutung des Museums. Über fünf Links kann man in verschiedene Abteilungen des Museums gelangen: Prehistoric items, Sculpture, Pottery and Minor art, Bronzes, Egyptian Art. Der Bereich Plastik (Sculpture) wird durch 10 Exponate repräsentiert (u.a Aristodikos, Diadoumenos und Aphrodite-Pan-Gruppe). Die Abbildungen sind in chronologischer Abfolge angeordnet und mit einem kurzen Begleittext versehen. Weitere Links führen zu den jeweiligen Ausgrabungsstätten in Griechenland.
Es ist ein Verdienst des griechischen Kulturministeriums, daß alle wichtigen kulturellen Einrichtungen Griechenlands im Internet vertreten sind. Eine Linkliste führt zu den einheitlich gestalteten Web-Seiten.

Athen Nationalmuseum

Ein ähnliches Prinzip verfolgen die Web-Seiten des Louvre in Paris. Die Homepage gibt den Eingangsbereich des Louvre mit Glaspyramide wieder. Ein Verzeichnis im linken Rahmen (frame) führt zu den verschiedenen Abteilungen. 1998 belebte die Startseite eine Animation, die jetzt weggefallen ist. Fünf männliche Köpfe von Kunstwerken unterschiedlicher Zeitstellung wurden im Sekundentakt übereinandergelegt (morphing). Die Homepage wirkt nun seriöser und weniger verspielt. Nach dem klassischen Schema sind auch die Seiten des Département des Antiquités grecques, étrusques et romaines aufgebaut. Ein Link führt zu den Hauptwerken der Ausstellung, die in zwölf Gruppen unterteilt wurde (sieben für die griechischeAntike, jeweils drei für die etruskische und römische Zeit). Die jeweiligen Epochen werden durch vier bis elf Werke repräsentiert. Die Abbildungen sind ausgezeichnet und werden schnell geladen. Im Unterschied zum Vorjahr, gelangt man jetzt durch Weiterklicken zu einer relativ ausführlichen Bildlegende, die den Zugang zu den Objekten erleichtert.

Paris  Louvre

Mit mehreren Preisen wurden die Webseiten der Musei Vaticani ausgezeichnet. Hier finden sich u.a. Abbildungen berühmter Skulpturen in der Galleria delle Statue wie der Apoll von Belvedere, der Laokoon und der Augustus von Prima Porta. Auf einen erläuternden Text wurde weitgehend verzichtet. Zahlreiche Innenraumansichten und Detailaufnahmen von den Exponaten vermitteln allerdings einen Eindruck von der Atmosphäre in den Sammlungen.

Das British Museum in London und das Metropolitan Museum in New York stellen ihre Abteilungen zur griechisch-römischen Antike in äußerst knapper Form vor. Die wenigen Abbildungen und extrem kurzen Textpassagen stehen in keinem Verhältnis zum Umfang und zur Bedeutung der Sammlungen.

An ein eher wissenschaftlich orientiertes Publikum richten sich die Homepages der archäologischen Museen in Berlin (Pergamonmuseum) und München (Glyptothek). Sie bieten einen Überblick über Geschichte und Charakter der Sammlungen. Grundlegende Informationen wie Adresse, Öffnungszeiten und Eintrittspreise sind ebenfalls zu erfahren. Relativ lange Textpassagen und Literaturlisten verdeutlichen hier allerdings die Abhängigkeit vom Printmedium.

Originell ist die Gestaltung der Homepage des Neanderthalmuseums in der Nähe von Düsseldorf. Das ungewöhnliches Design - lila Schrift auf schwarzem Grund – spielt auf die im Dunkeln liegende Epoche des Neandertalers an. Die Animation – sich drehender Schädel des Neandertalers - bestärkt das Gefühl des Fremden und Unheimlichen. Sachlich und nüchtern ist hingegen der Text der Web-Seiten verfaßt. Er liefert Informationen zum Museum, zur Erforschung des Naturraumes im Neandertal und zu aktuellen Projekten der Forschungseinrichtung (Kongresse und Publikationen). Eine Link-Seite zu archäologischen Themen ist für den interessierten Surfer sehr hilfreich.

Neanderthalmuseum

Ein nicht zu unterschätzender, positiver Aspekt der Web-Seiten ist, daß sie jederzeit veränderbar sind s. Louvre). Sie können permanent weiterentwickelt und verbessert werden. Es handelt sich nicht um ein endgültiges Produkt wie ein gedrucktes Buch. Aus diesem Grund ist in einem Jahr sicherlich mit einem ganz anderen Stand als heute zu rechnen. Entscheidend für die Verbesserung ist vor allem auch die Kommunikation mit dem Leser der Web-Seiten über die angebotene e-mail. Die Nutzung des Internets ist relativ preisgünstig. Menschen, die nicht reisen oder Bücher kaufen können, wird somit eine Welt eröffnet, die ihnen bisher nicht zugänglich war.

Paris  Louvre


Abbildungsnachweis
Antikensammlung Erlangen (Abb. 1. 2), John Paul Getty Museum (Abb. 3), Nationalmuseum Athen (Abb. 4), Louvre (Abb. 5. 7), Neanderthalmuseum (Abb. 6).

Literatur
Verf. im Göttinger Forum für Altertumswissenschaften 1999, Bd. I (GFA).

Zusammenstellungen von Links
"KIRKE" Katalog der Internetressourcen für die Klassische Philologie aus Berlin:
http://www.archaeologie-online.de
Zu Museen und archäologischen Projekten siehe auch WebMuseen:
http://webmuseen.de/
Datenbank Perseus der Universität Harvard :
http://www.perseus.tufts.edu/
International Council of Museums, 1946 gegründet, 15 000 Mitglieder in 147 Ländern:
http://www.icom.org/
Beazley Archive:
http://www.beazley.ox.ac.uk/BeazleyAdmin/Script2/default.htm

Auswahl an Museen:
Paris, Louvre: http://www.louvre.fr
Athen, Nationalmuseum: http://odysseus.culture.gr/h/1/eh151.jsp?obj_id=3249
Rom, Vatikanische Museen: http://www.christusrex.org/www1/vaticano/0-Musei.html
London, British Museum: http://www.thebritishmuseum.ac.uk/gr/grhome.html
Malibu, John Paul Getty Museum: http://www.getty.edu/art/exhibitions/ancient_art.html
New York, Metropolitan Museum: http://www.metmuseum.org
Neanderthalmuseum (Nähe Düsseldorf): http://www.neanderthal.de/
Erlangen, Institut für Klassische Archäologie und Antikensammlung: http://www.aeria.phil.uni-erlangen.de/
München, Glyptothek: http://www.antike-am-koenigsplatz.mwn.de/de/antike-meisterwerke.html
Berlin, Pergamonmuseum: http://www.smb.museum/smb/sammlungen/details.php?lang=de&objID=3&n=1&r=3
Köln, Römisch-Germanisches Museum: http://www.museenkoeln.de/roemisch-germanisches-museum//
Würzburg, Martin von Wagner Museum: http://www.uni-wuerzburg.de/archaeologie/archaeologie.html
Herbertingen-Hundersingen, Heuneburgmuseum: http://www.heuneburg.de/

* Der hier veröffentlichte Text spiegelt im Wesentlichen den Stand von 1999 wider. Seitdem wurden die meisten Museumswebseiten in Bezug auf Struktur, Inhalt und Layout grundlegend überarbeitet. Wegen der Kurzlebigkeit und dem schnellen Wandel im Internet, konnten Relaunches, geänderte Webadressen sowie vollkommen neue Auftritte nur zum Teil berücksichtigt werden. Heute wichtige Themen wie Social Media, Suchmaschinenoptimierung, Responsive Webdesign und Barrierefreiheit spielten bei der damaligen Betrachtung keine Rolle.
Aus dem Jahr 2012 stammt die Dissertation von Tilman Bechthold-Hengelhaupt zum Thema Antikerezeption im Internet.